Gebäude mit Geschichte: Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg

Das 25.000 m² große Bauensemble der KulturBrauerei mit seinen insgesamt sechs Höfen, über 20 Gebäuden und seiner markanten Architektur gehört zu einem der wenigen gut erhaltenen Industrie-Architekturdenkmälern aus dem Berlin Ende des 19. Jahrhunderts und steht seit 1974 unter Denkmalschutz. Steiler Aufstieg Ausgehend von einem kleinen Braubetrieb mit Ausschank auf dem Gelände entstand ab 1878 nach Plänen des Architekten Franz Heinrich Schwechten dieses noch heute beeindruckende Ensemble. Franz Heinrich Schwechten war zu seiner Zeit einer der erfolgreichsten Architekten und hat u.a. den Anhalter Bahnhof und die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche entworfen. 1853 erwarb Jobst Schultheiss (1802-1865) das Unternehmen und gab der Brauerei und ihrem Bier seinen Namen. Obwohl Schultheiss keine einschlägigen Erfahrungen in der Branche hatte, wurde er bald zu einem der bedeutendsten Berliner Bierbrauer seiner Zeit. 1864 wurde die Brauerei an die Kaufmannsfamilie Roesicke verkauft, der Name blieb jedoch. Die Schultheiss-Brauerei gilt als Pionierin der Entwicklung moderner Brauereitechnologie in Deutschland – bereits 1882/83 wurde eine Kältemaschine angeschafft, während andernorts die Kühlung üblicherweise lediglich durch Natureis sichergestellt wurde. Stillegung und Denkmalschutz Dank der soliden Bauweise wurde die Schultheiss-Brauerei im zweiten Weltkrieg kaum beschädigt und konnte direkt 1945 den Betrieb wieder aufnehmen. Die 54 bis 80 m tiefen Brunnen diensten der Bevölkerung vom Prenzlauer Berg während des Ausfalls der Wasserversorgung 1945 als einzige Wasserquelle. Aufgrund des hohen Verschleißes der Anlage wurde 1967 der Brauereibetrieb auf diesem Gelände eingestellt und der Maschinenpark demontiert. Im ehemaligen Verwaltungsgebäude eröffnet 1970 der Franzclub und wird schnell zum Publikumsmagneten für Berliner Nachtschwärmer. 1974 wird schließlich der gesamte Brauerei-Komplex wegen seiner einzigartigen Architektur unter Denkmalschutz gestellt. Sanierung und neue Nutzung Nach der Wende wird die KulturBrauerei gGmbH gegründet; damit war der Name geboren, den jetzt das Areal der ehemaligen Schultheiss-Brauerei trägt. Eine von SAT 1 verpflichtete Berliner Produktionsfirma lässt das alte Kesselhaus der KulturBrauerei für 800.000 DM sanieren und kann dafür zwei Jahre lang mietfrei die wöchentliche Sendung „Einspruch“ mit Ulrich Meyer produzieren. Die „richtigen“ Sanierungsarbeiten beginnen nach zähem Ringen erst 1998, durchgeführt von der Treuhand Liegenschaftsgesellschaft (TLG) Immobilien GmbH. Die von der TLG beauftragten Architekten Stefan Weiß und Matthias Faust, die schon die Sanierungsarbeiten der Hackeschen Höfe leiteten, setzen die ruinösen Bauten in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege behutsam wieder instand. Aus dem Charme dieses Konzeptes entstand in kurzer Zeit ein innovativer Mix aus kreativen Dienstleistern, vielfältigen Kulturangeboten und Lebensqualität für Anwohner und Besucher. Die ursprünglichen Gebäudestrukturen und Konstruktionselemente werden weitgehend beibehalten, die restaurierten alten Schriftzüge werden an die Nutzung als „Flaschenbierhalle“, „Beschlagbrücke“ oder „Heuboden“ erinnern. Einen Überblick über die Lage der verschiedenen Gebäude kann man sich gut unter folgendem Link verschaffen: http://www.kulturbrauerei.de/gelaende/lageplan

von IVD (blog.ivd.net)

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